Was wir seit vielen Jahren in unserer Arbeit zwischen Mensch und Natur erleben ist ein vielstimmiges «Geplapper». Ein lebendiger, heilsamer, manchmal fordernder oft überraschender Dialog zwischen dem, oder besser gesagt, jenen, die wir im ökosystemischen Ansatz "Aktanten der Co-Kreation" genannt haben. Neben uns Menschen sind das die anderen Spezies, die vier Elemente Feuer – Erde – Wasser – Luft, die ganze Welt der menschgemachten Dinge sowie die eigenlebendigen Technologien, mit denen wir heute zusammenleben. Aber auch Stoffe die uns durch die lange Menschgeschichte begleiten, vom Sauerstoff bis Harz, Kohle, Leder, Bast oder Farbe. Beispiele und Geschichten dazu gibt es viele aus unseren Modulen und Seminare, die meisten von Euch haben solche erlebt. Wenn eine Schnecke neben dem Schlafsack eine Tür zur Befriedung mit der Erde auftut. Wenn grosse Vögel am Himmel auftauchen und wunderschön kreisen, während sich in der Arbeit mit der eigenen Familiengeschichte ein Aufatmen und Loslassen einstellt. Von der einen Zitrone, die am Baum voller Orangen wächst oder einer, wie von Zauberhand geführten Aufstellung zwischen Mond, Feuer und Mätteli, die sich über mehrere Tage und Nächte durch den Wald spinnt. All das kann uns ansprechen, bewegen und unsere Perspektiven weiten.
Systemisch orientierte Psychologie interessiert sich grundsätzlich für kommunikative Prozesse, die Interaktionen und die Beziehungen. Im ökosystemischen Ansatz blicken wir über die familiären Konstellationen hinaus. Teilweise weit in den Raum der Erinnerung und der Menschheitsgeschichte. Teilweise aber auch ganz praktisch an den Ort und den konkreten Kontext, in dessen Gewebe wir uns gegenwärtig befinden. Die Topologie, die Bauweise und die Konstellation eines Ortes, aber auch welche Geschichten er trägt, sind wesentlich für die Bedingtheiten, in denen wir uns dort wiederfinden. Coaches oder Begleiter*innen die ökosystemisch geschult sind, interessieren sich in besonderer Weise für dieses Geschehen, die Sympoiese, das sich wechselseitig Bilden der Welten. Es ist eine Art von Aufmerksamkeit, die jene unmittelbare Umgebung und unser Handeln darin als Miteinander begreift, was neue Erzählungen, Ressourcen oder Perspektiven ermöglicht. Wir kennen viele Menschen, denen das sehr leicht, sehr natürlich gelingt. Vielleicht weil Berater*innen, Therapeut*innen, Coaches & Co in ihrer Ökologie oftmals neugierig, verbindend oder kreativ sind. Vielleicht weil Menschen, die bei uns lernen, das Draussen oder jegliche Umwelt weder als Bühne noch als Spielplatz sondern mehr als Geschenk und Zuspiel verstehen. Gleichzeitig braucht es auch geschulte Haltung, die menschlich und soziale Perspektive zurück zu stellen und die Mit-Sprache der Aktankten wahrlich ernst zu nehmen.
«Die Wiederaufnahme der Beziehung mit ungewissen Wesen in einer instabilen Welt – eine Instabilität, die durch den gegenwärtigen Kontext der ökosystemischen Krise verstärkt wird – erfordert eine Flexibilität der Praktiken, in der die hierarchische Dimension zwangsläufig implodiert.» schreibt die Anthropologin und Schriftstellerin Nastassja Martin (1). Sie erinnert mich mit diesem Satz daran, wie politisch und wie bedeutsam ein ökosystemischer Ansatz in der Welt heute ist. Egal ob wir auf die kleinen Organismen in unserem Immunsystem, das Wetter vor der Haustüre oder auf politisch-wirtschaftliche Narrative schauen, wir sind immer Landschaften füreinander. Aktanten bilden wechselseitige Ökosysteme, und wo immer wir uns daran erinnern und unsere Wahrnehmung und Handeln damit verbinden wissen, gibt es gute Chancen dass viel-farbige Ökosysteme auch weiterhin Leben co-kreieren und Orte neue Geschichten teilen.
Quellen:
(1) Nastassja Martin, Im Osten der Träume. Antworten der Even auf die systemischen Krisen. Matthes & Seitz. S. 173

Die sympoi Praxispost erscheint 3-4 jährlich an einen ausgewählten Email-Verteiler. Jede Ausgabe widmet sich einem bestimmten Fachbezug oder einem Praxisfeld. Von dort ausgehend, erkunden wir ökosystemische Anwendungserfahrungen, Fragen und Theoriebezüge. Hier zum nachlesen und jederzeit zu abonieren: institut@sympoi.ch
um unserem ökologischen Handlungsvermögen wieder näher zu kommen. "Ökologien der Aufmerksamkeit", heisst der Nachgang im Buch "Natur-Dialoge" von Astrid Habiba Kreszmeier, und öffnet sinnliche und politische Perspektiven auf das konkrete Gewebe der Kontexte, in denen wir leben.
Susanne Dornfeldt aus Hamburg ist seit 2006 freiberuflich tätig in eigener Praxis für systemische Therapie & Beratung. Von ökosystemischen Impulsen aus den Weiterbildungen bei sympoi und einem Ehestreit mit Käuzchen erzählt sie im Gespräch mit Sinha Weninger.
war für Menschen seit jeher Lebensgrundlage. Und bleibt bis heute rätselhaft. Wie jener unfertige Bogen aus Eibenholz, den Ötzi in den Bergen mit sich trug.
Ein Blogbeitrag aus der Erinnerungspraxis von Hans-Peter Hufenus
und spielt sich im Netzwerk unserer Absolvent:innen und Kooperationspartner:innen ab. Manche Geschichten davon werden an gut gehüteten Feuern erzählt. Manche auch in digitalen Räumen.
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