Für Forscher*innen, Rebell*innen und Sprachliebhaber*innen und

solche, die es noch werden möchten:-) Denkräume greifen Themen, Fragen, Bücher auf und laden ein, mit ihnen und an ihnen zu lernen. Lesezirkel, Kurzvorträge, Austauschgruppen, Lehrgespräche, Experimentelles, kreatives Lernen, Film, Audio. Aber auch Spaziergänge, Feuerkreise, miteinander Kochen und Essen und im Sommer: in den Fluss springen.

Wir freuen uns auf die Denkräume im 2024: 

> 9-10 März: Lebendige Lectures zum "Hören" mit Dr. Bernd Brabec und Hans-Peter Hufenus

> 6 Juli: Feministische Perspektiven mit Zita Küng

>19 November: Psychologische Perspektiven bei Kriegserfahrungen mit Guni Leila Baxa

Sympoi kuratiert als Gastgeberin die Themen und lädt Gastreferent*innen ein.
Denkräume können online organisiert sein, jedoch vor allem - und natürlich gerne - vor Ort im Appenzellerland oder an anderen besonderen Orten und sogar hybride Teilnahme ermöglichen. Herzlich willkommen!


Hören und Klang: Phänomenologie des Unsichtbaren

Was geschieht, wenn wir hören?

Das Hören ist eine wesentliche und prägende Sinneserfahrung, die Leben, Wahrnehmung, Wohlbefinden und eben auch Beratungsprozesse massgeblich prägt. Dennoch wird kaum darauf geachtet, es bleibt unsichtbar. Das wollen wir in diesen Denkräumen anders halten.
Der Musikanthropologe Bernd Brabec wird uns eine Theorie des Hörens näher bringen und mit Praxisbeispielen von Feldforschungen erzählen.
Hans Peter Hufenus spricht aus seiner langjährigen Praxis und Forschung der rituellen Trommel und den unsichtbaren Brückenschlag von Mensch, Rhythmus und Natur. Herzlich willkommen!


"Im Laufe des Workshops werden wir ausgehend von der Physiologie des menschlichen Ohrs verschiedene Ebenen der Hörwahrnehmung genauer betrachten. Hören steht in der Wahrnehmung nicht alleine, es ist stets in andere Sinneswahrnehmungen eingebettet und verflochten. Durch die Art und Weise wie wir hören erzeugen, unterscheiden wir die "Dinge", die wir hören können, Sprache, zum Beispiel, oder Musik oder Umweltgeräusche. Ein weiterer Aspekt des Hörens ist die Korrelation des Gehörten mit Nicht-Anwesenden Wesen (wie Geister, Götter, Verstorbene). In allen Weltgegenden stehen Rituale und religiöse Handlungen mit Klang und Musik in Verbindung. Schließlich werde ich einige Beispiele aus Amazonien vorspielen und beschreiben, wie die dortigen Indigenen mit Hilfe von Liedern Heilung (aber auch Hexerei) erreichen können.", Bernd Brabec.

Bernd Brabec

Anthropologe und Musikwissenschaftler. Er forschte für mehrere Jahre mit Indigenen Gruppen in Westamazonien, speziell über Indigene Lieder und Rituale. Er arbeitete und lehrte unter anderem an den Universitäten Marburg an der Lahn, Wien, und Graz, an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und an der Universität Yunnan. Derzeit ist er Assistenzprofessor für Ethnomusikologie an der Universität Innsbruck. Er hat mehrere Bücher herausgegeben und zahlreiche Forschungsartikel über indigene Lieder, Ethnohistorie, Musik und Medizin, Hörwahrnehmung und die Phänomenologie von Hören und Klang.

Hans-Peter Hufenus

"Immer, wenn wir in einem Museum ausgestellte Stücke bewundern, ist das nur ein Teil der Sammlung. Ein Grossteil der Objekte im Besitz der Museen lagert im Archiv und kommen selten ans Licht. Nicht so im Musée du Quai Branly in Paris. Hier stapeln sich die Objekte hinter Glaswänden und die Besucher bekommen sie zu Gesicht – und sehen Erstaunliches: es wimmelt nur so von Trommeln aus Ozeanien, Asien, Südamerika oder Afrika, während in der Ausstellung selbst nur ein Stück zu bewundern ist.
Allerdings handelt es sich dabei um ein ganz besonderes Objekt. Die reiche und magische Verzierung der Trommel lässt erahnen, dass sie sakral ist und sicherlich auch für Heilsrituale eingesetzt wurde.
Trommelklänge für Heilung? Seit im Mittelalter die Trommel im europäischen Raum aus den rituellen Handlungen verbannt worden ist, ist es um dieses ursprünglich sakrale Instrument still geworden. Zu Unrecht, wie ich gerne hier erläutern und beispielhaft zeigen möchte."

 

ORGANISATORISCHES

KOSTEN
Sa: 150 CHF, So: 90 CHF

ORT
Rosenhof, Stein AR
Übernachtung und Abendessen möglich, Bitte um Anmeldung


DATUM UND PROGRAMM

09 März 24: 14 - 18h, Workshop mit Bernd Brabec
10 März 24: 10 - 13h, Workshop mit Hans-Peter Hufenus

ANMELDUNG
Übernachtung und oder Abendessen bitte anmelden.

Bei Fragen sind wir gerne da: telefonisch +41 71 367 23 77 oder per mail



Woran erkennen wir patriarchale Muster? Mit Zita Küng

Feministisches in Beratung und Psychologie?

Bildung, Beratung und Therapie sind wesentliche Mitgestaltungsfelder gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Sie sind nicht nur soziales Beiwerk oder Ausgleichbecken. Sie tragen Mit-Verantwortung, sich deutlich zu machen, welches Leben, welche Werte, welche Haltung und Muster sie fördern und unterstützen wollen. Leider werden in diesen Disziplinen oft unbedacht patriarchale Herrschaftsideen weiter getragen, während von Klient*innen Resilienz und Einsicht erwartet wird. Selbst die Arbeit in und mit der Natur schützt davor nicht. Hier lohnt es sich genauer zu schauen und zu fragen: Was will ich wirklich fördern? Darum sind Denkräume auch Orte für feministische Perspektiven und Vernetzungen. Ein herzliches Willkommen an alle:-)
 

 

Zita Küng

"In Schweizer Volksschulen arbeiten überwiegend Frauen als Lehrkräfte. Die Lernerfolge der Jungs sind mässig. Schlussfolgerung: Buben werden benachteiligt. Warum? Weil Frauen sie unterrichten. Unterrichtende Frauen bevorzugen Mädchen, deshalb sind die Leistungen der Mädchen so gut."
Das sind aktuelle Denkmuster, die mitunter mit der nötigen Empörung gegen "die Feministinnen", die einem auch noch vorschreiben, wie man zu sprechen hat, angereichert sind. Jedoch: Sind Schulen heutzutage wirklich antipatriarchal?

Wir folgen gemeinsam am Beispiel der Schule und anderen Lebensbereichen, die für die Teilnehmer*innen interessant sind, der Frage nach patriarchalen Strukturen. Nicht nur um zu erkennen, wo und wie das Patriarchale lebt, sondern auch, wo es nicht mehr wirkt.

‘Denken’ heisst dabei einerseits Informationen zu sammeln und zu ordnen, also Wissen zu schaffen. Andererseits heisst es auch ergriffen werden: Erfahrungen sind eine wichtige Orientierungshilfe.

‘Feministisch’ ist kein exakter Begriff. Einige Aspekte sind aber auf jeden Fall mit im Spiel: Geschlecht und Geschlechterverhältnisse, Gestaltung und Gestaltungsmöglichkeiten von Lebensbereichen, Interessen und Beziehungen. Die einzelne Person und die gemeinschaftlichen Strukturen sind immer wieder genau zu beobachten. Denn: feministisch hat immer das Leben im Fokus."

Zita Küng ist eine Feministin der 1970er-Jahre, Pädagogin und Juristin, selbständig als Gender/Diversity-Consultant und Führungskräftecoach. Sie ist seit über 50 Jahren feministisch aktiv und an theoretischen Fragen ebenso interessiert wie an der tatsächlichen Veränderung. Sie ist u.a. Mitbegründerin der feministischen fakultät fem! www.feministische-fakultaet.org

Hier auch im Gespräch im Sympoietics Podcast: Zur Welt gehören.

 

ORGANISATORISCHES

KOSTEN
200 CHF
plus 15 chf für Kaffee und Snacks

ORT
Rosenhof, Stein AR


PROGRAMM

6 JUL 2024: 14 - 18h
Lebendige Denkräume mit Zita Küng, Gastgeberin Habiba Kreszmeier
Inputs, Dialoge, Beispiele, Austausch

ANMELDUNG
Bei Fragen sind wir gerne da: telefonisch +41 71 367 23 77 oder per mail



Wirkungen des Krieges: Hinschauen mit Dr. Guni Leila Baxa

Inmitten von Kriegen

Guni Baxa ist eine der renommiertesten, weltweit tätigen Psychotherapeut*innen bei Folgen von Kriegen im psychischen Geschehen von Einzelnen, Familien und anderen Systemen.

In diesen Denkräumen können wir an ihrem langjährigen Erfahrungsschatz und der besonderen Tiefe und Weite ihrer Arbeit und Weltenschau teilhaben. Sie wird darin nicht nur Prinzipien von Übertragungen und Weitergaben von Kriegstraumen teilen, sondern auch Formen der Linderung, die nicht auf Verdrängungen sondern auf besondere Weisen des Hinschauens basieren. Herzlich Willkommen!
 


"Guni Baxa ist vielfach ausgebildet und engagiert und hat sich im Laufe der letzten 3 Jahrzehnte insbesonders in der Methode der Dialogisch-Systemischen Aufstellungsarbeit spezialisiert. Ich darf sie als eine meiner bedeutensten Lehrerinnen und Kolleginnen schätzen und es freut mich sehr, sie wieder einmal bei uns begrüssen zu können. Hier zum Einhören der link zu unserem Sympoietics Podcast Gespräch
"Ausrichtung in Zuversicht".
Angesichts der politischen Gegenwart, in der Kriegsgewalt wieder als salonfähige Lösung für Konflikte wirkt, sehen wir diesen Tag fachliche Inspiration und Notwendigkeit zusammenkommen"
, Astrid Habiba Kreszmeier

Guni Leila Baxa

Dr. phil., Jg. 1941, 40-jährige Berufserfahrung, davon 30 Jahre in freier Praxis tätig als Psychotherapeutin, Supervisorin und Lehrtherapeutin für Systemische Familientherapie. Zuvor tätig als Hochschulassistentin, in einer Erziehungsberatung, Mitgründung und langjährige Mitarbeit an einem großen Therapiezentrum in Süddeutschland. Mitbegründerin von APSYS (Institut für Systemische Praxis) in Österreich.

Aus - und Fortbildungen in verschiedenen Ansätzen der Humanistischen Psychologie (Systemische Familientherapie, NLP, Gestalt, Transaktionsanalyse, Bioenergetik, Körpertherapien u.a.)
Strebt in ihrer Arbeit eine Ausgewogenheit von Körper, Herz und Geist an – die Entfaltung des „Herz-Geistes“.
Verschiedene Vorträge bei Tagungen, sowie Artikel in Fachbüchern, Mitherausgeberin von „Verkörperungen“: Systemische Aufstellung, Körperarbeit und Ritual. G.L. Baxa / C. Essen / A.H. Kreszmeier. Heidelberg 2002. Carl-Auer-Systeme Verlag.

ORGANISATORISCHES

KOSTEN
250 CHF
plus 35 CHF für Verpflegung

ORT
Rosenhof, Stein AR
 


PROGRAMM

19 NOV: 10 - 16h inkl. Mittagspause
Lebendige Denräume mit Guni Baxa moderiert von Habiba Kreszmeier
Inputs, Dialoge, Beispiele, Austausch

ANMELDUNG
Bei Fragen sind wir gerne da: telefonisch +41 71 367 23 77 oder per mail